Erbrecht

I. Allgemeines

Das Erbrecht hat die Aufgabe, das rechtliche Schicksal des Vermögens eines Verstorbenen für die Zeit nach seinem Tode zu regeln. Im Erbrecht geht es letztendlich darum, wie das Vermögen des Erblassers unter den Erben aufzuteilen ist.

In der heutigen Zeit gewinnt das Erbrecht immer mehr an Bedeutung, da immer mehr Vermögen auf die Nachfolger übergeht. Aufgrund der Unerfahrenheit der Erben kommt es dabei zu einer immer größer werdenden Zahl an erbrechtlichen Verfahren. Der Grund hierfür liegt einerseits darin, dass immer noch die wenigsten Menschen ein Testament errichten und andererseits in der Komplexität der erbrechtlichen Vorschriften. Nicht zuletzt wollen viele Erben aufgrund der großen Erbmassen die genaue Aufteilung gerichtlich geklärt haben. Auch rücken immer mehr steuerliche Aspekte bei der Vererbung in den Vordergrund.

Im deutschen Erbrecht gelten zwei Grundprinzipien: die Testierfreiheit und die Familienerbfolge.

Unter der Testierfreiheit ist das Recht eines jeden zu verstehen, frei aber die Verteilung seines Vermögens nach dem Tode zu bestimmen. Dieses Recht ist in der Verfassung sogar doppelt geschätzt, nämlich in Artikel 2 Absatz 1 als Bestandteil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und in Artikel 14 Absatz 1 im Rahmen des Schutzes des Eigentums.

Die Familienerbfolge bestimmt, dass die Familienangehörigen die Vermögensnachfolge des Verstorbenen antreten sollen, falls dieser kein Testament errichtet hat.

Selbst wenn der Verstorbene in seinem Testament seine Familienangehörigen nicht bedacht hat, was durchaus sein Recht ist, solange er dabei nicht gegen die guten Sitten oder ein gesetzliches Verbot verstößt, so können diese ihren gesetzlichen Pflichtteil geltend machen. Die Höhe des Pflichtteils bemisst sich aus der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs und wird als Geldanspruch geltend gemacht.

Nach der gesetzlichen Erbfolge geht das Vermögen auf die Familie über (Familienerbfolge). Hierzu zählen die Verwandten und der Ehegatte. Unter die Verwandten fallen die ehelichen und nichtehelichen Abkömmlinge des Erblassers sowie dessen Eltern und Großeltern. Die genaue Beschreibung der Erbfolge würde den Rahmen dieser kurzen Einführung sprengen, weshalb auf ein näheres Eingehen hier verzichtet wird.

II. Möglichkeiten der Vererbung

Die einfachste, aber nicht unbedingt empfehlenswerteste Möglichkeit, Vermögen zu vererben, ist einfach nichts zu tun. Dann greifen die Regeln über die gesetzliche Erbfolge ein und das Vermögen wird nach den gesetzlichen Vorgaben verteilt.

Daneben bestehen die Möglichkeiten der Errichtung eines Testaments oder der Abschluss eines Erbvertrages. Hier kann das Vermögen nach dem Willen des Erblassers verteilt werden, wobei eventuelle Pflichtteilsansprüche, die auch bei diesen Alternativen bestehen bleiben, berücksichtigt werden müssen.

Hierbei wäre noch interessant zu erwähnen, dass Vermögen bereits zu Lebzeiten durch Schenkung übertragen werden kann. Dies hat vor allem steuerliche Vorteile. Zwar werden Schenkungen und Erbschaften nahezu gleich besteuert, jedoch können bei Schenkungen unter nahen Angehörigen die Freibeträge alle zehn Jahre neu ausgeschöpft werden.

III. Anfall der Erbschaft und Folgen

Mit dem Eintritt des Todes des Erblassers wird man automatisch Erbe. Das gesamte Vermögen, aber auch die gesamten Verbindlichkeiten gehen ab diesem Zeitpunkt auf die Erben über. Dabei haften die Erben mit Anfall der Erbschaft unbeschränkt, d.h. auch mit ihrem gesamten Privatvermögen. Um die Erben vor einer Verschuldung durch die Erbschaft zu schätzen, sieht das Gesetz verschiedene Möglichkeiten vor.

So kann der Erbe seine Haftung durch die Anordnung der Nachlassverwaltung und die Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens seine Haftung auf den Nachlass beschränken.

Ebenfalls kann der Erbe ein so genanntes Aufgebotsverfahren veranlassen. Hier werden die Gläubiger des Verstorbenen aufgefordert, ihre Forderungen binnen einer bestimmten Frist bekannt zu geben. Tun sie dies nicht, so hat der Erbe die Forderungen auch nicht mehr zu erfüllen, es sei denn, die Forderung war ihm bekannt oder hätte ihm bekannt sein müssen.

Daneben besteht für einen Erben noch die Möglichkeit, die Erbschaft komplett auszuschlagen. Dann gehen weder das Vermögen noch die Verbindlichkeiten auf ihn über. Die Ausschlagung ist fristgebunden und muss innerhalb von sechs Wochen ab Erlangung der Kenntnis von dem Erbfall erfolgen.

IV. Fazit

Das Erbrecht ist ein umfangreiches und komplexes Rechtsgebiet. Gerade im Hinblick auf die immer größer werdenden Vermögenswerte, die vererbt werden und die damit verbundenen Haftungsrisiken ist es wichtig, auf diesem Gebiet fachkundig beraten zu werden. So kann man sich gegen unerwünschte Folgen, die aus mangelnder Erfahrung und Rechtskenntnis resultieren, absichern.

Wir beraten Sie gern: Rechtsanwalt Florian Schwarz